kontaktieren Sie uns
Einleitung » Geschichte der Hutfertigung

Geschichte der Hutfertigung

Die Geschichte der Hutherstellung in Nový Jičín - Neu Titschein

Schon zu Beginn ihrer Existenz ersehnte sich die Menschheit einen Schutz von Kopf und Körper und gab so den Anlass zur Entstehung nicht nur der Bekleidung selbst, sondern auch deren Bestandteile, zu denen die Kopfbedeckungen zweifellos gehören. Die Entwicklung der Kopfbedeckungen und Hüte ist während der gesamten Zeit der menschlichen Geschichte ungewöhnlich bunt und so ist dem auch bei deren Herstellung. Bereits im mittelalterlichen Neu Titschein wurden Hüte und weitere Kopfbedeckungen aus verschiedenen Materialien mit unterschiedlicher Produktionstechnologie hergestellt. Es sind spezifische Berufe und Verfahren entstanden, die sich mit der Herstellung von Damenkopftüchern aus Baumwolle, Männermützen aus Leder, Militärhelmen aus Eisen, kirchlichen Kopfbedeckungen, Schweizer Baretten, Dorfmützen aus porlingartigen Pilzen oder direkt von Filzerzeugnissen beschäftigt haben, die wahrscheinlich vom türkischen Wort „Kalabak“ oder vom tatarischen „Kalpak“ - tschechisch klobouk, also Hut abgeleitet sind.

Die Technologie der Herstellung von Filzhüten ist im Wesentlichen bereits aus dem Altertum bekannt. Sie ist auch von den mittelalterlichen Hutmachern übernommen worden, die in den Eintragungen der Stadtbücher aus dem 16. Jahrhundert ebenfalls in Neu Titschein auftauchen. Der Hutmacher Prokop Klobúčník aus Neu Titschein wird bereits im Jahre 1506 erwähnt. Auch trotz des bescheidenen Umfangs der Herstellung wurden am 7. Mai 1630 die Zunftsatzungen der Neu-Titscheiner Hutmacherzunft vom Stadtrat an der Spitze mit dem Bürgermeister Georg Schindler bestätigt. Deren Inhalt bilden 14 grundlegende Punkte, die zu den Regeln und Bedingungen des Bestehens der Zunft geworden sind. Auch trotz der bescheidenen Anzahl der dreizehn erfassten Meister im Jahre 1757 gehörte die Hutmacherei zu den unentbehrlichen Handwerken in der Stadt. Eine Wende für deren Dasein stellte die einheitliche Regelung der Zunftordnungen während der Herrschaft von Kaiserin Maria Theresia dar, die in die Herausgabe regulierter Satzungen für die Hutmacher in ganz Mähren ausmündete.

Im Jahre 1799 wurde der junge Hutmacher Johann Nepomuk Hückel (1779 - 1835) aus Fulnek in die Neu-Titscheiner Hutmacherzunft aufgenommen, der am damaligen Courierring im Hause Konskr.-Nr. 749 seine erste Werkstatt eröffnete. Später verlagerte er seinen Betrieb in die Straße Dolnobranská ulice, wo sich auch sein Bruder Augustin Hückel (1786 - 1848) der Produktion anschloss. Ihre Werkstätten wurden im Jahre 1848 in eine Manufaktur zusammengeschlossen, und zwar unter der Leitung von Augustins Sohn Johann Albert Hückel (1814 - 1880), der sofort eine allgemeine Umgestaltung eröffnete. Nach der Rückkehr seiner Söhne August und Johann Hückel von der Wanderschaft durch Europa führten sie neue ausländische Innovationen in den Herstellungsprozess ein. Als erste in der ganzen damaligen Habsburger Monarchie brachten sie im Herstellungsprozess die Dampfmaschine zur Geltung. Die neuen Erkenntnisse und Technologien hatten die Vergrößerung des Raumes für die Produktion und selbstverständlich auch der daran anknüpfenden Nachfrage zur Folge. Daher entschloss sich Johann Albert Hückel im Jahre 1867, eine neue Filiale in der südlichen Vorstadt zu errichten, die, mit den modernsten Maschinen ausgestattet, im Jahre 1869 zum Hauptzentrum der ganzen Hutmacherfirma wurde.

Im Jahre 1968 wurde die Gesellschaft Hutfabrik Johann Hückels Söhne gegründet, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht nur große Absatzgebiete auf den Weltmärkten, sondern auch viele Würdigungen für ihre Erzeugnisse auf Weltausstellungen errang. Zu einem bedeutenden Schritt im Rahmen der Produktionstechnologie wurde die Gründung eines mechanischen Haarschneideraumes. Der Anbau weiterer Betriebe, ein aus Brünn hergeschaffter neuer großer Dampfkessel und hoch qualifizierte Arbeiter machten aus der Fabrik ein Unternehmen erster Größe. An der Neige des 19. Jahrhunderts war die mehr als 1200 Arbeiter beschäftigende Firma gleichsam voll unabhängig und im Jahre 1893 wurde ihr der Titel kaiserlicher und königlicher Lieferant verliehen. Die Erfolge der Hückel-Fabrik begeisterten unter anderem den Unternehmer Anton Peschel (1823 - 1885), den Eigentümer der Dampfmühle in Šenov bei Neu Titschein. Peschel kaufte im Jahre 1869 Baugrundstücke in der Nähe der Šenover Spiritusfabrik und errichtete in den Jahren 1870 -1871 eine eigene Hutfabrik. Nach seinem Tode im Jahre 1885 wurde die Fabrik von seiner Frau Luisa Peschlová (1845 - 1920) übernommen, die später mit ihren Söhnen ausgezeichnete Erfolge auf dem Felde der Hutmacherei mit der Handelsmarke Anton Peschel erzielte.

Der Beginn des 20. Jahrhunderts ist in Neu Titschein mit den außerordentlichen wirtschaftlichen Resultaten der beiden großen Hutfirmen sowie mit der Entstehung einer dritten Hutfabrik verbunden. Im Juli 1912 wurde die Gesellschafter-Firma Böhm & Schlesinger errichtet, die später unter dem Namen Bratři Böhmové (Gebrüder Böhm) in der Produktion von Sturmhauben und weiteren Erzeugnissen fortfuhr. Für diese Zwecke wurden zwei große Werke in der nordöstlichen Vorstadt von Neu Titschein errichtet, wo man sich auf die Herstellung besonders von in die ganze Welt exportierten Wollhüten sowie auf die Produktion moderner Hutmaschinen konzentrierte. Die Fabrik der Gebrüder Böhm wurde schließlich in den bewegten Kriegsjahren von der Firma Hückel abgekauft (im Jahre 1941). Parallel mit diesen drei großen Hutproduzenten gab es in der Stadt noch Kleinunternehmer, die an einige technologische Tätigkeiten der Produktion anknüpften. Sie alle erlebten die Zeit der Konjunktur der Hutmacherei in den zwanziger und dreißiger Jahren, als in der Hutmacherindustrie in Neu Titschein mehr als viertausend Personen angestellt waren. Im Jahre 1938 besaß die Neu-Titscheiner Hutfabrik Johann Hückels Söhne rund eintausend verschiedene Maschinen, sie betrieb vier Dampfkessel und eine 1600-kW-Turbine, die alle zusammen täglich bis zu drei Waggons Kohle beanspruchten.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges griff auf drastische Art und Weise in die nationale Zusammensetzung der hiesigen Bevölkerung ein. Mit der Vertreibung der Bürger deutscher Nationalität verloren die hiesigen Fabriken nicht nur die Arbeiterberufe, sondern auch ihre Besitzer. Auf Grund der Verstaatlichung und der nachfolgenden Verbindung von einund­zwanzig Hutfabriken im Jahre 1945 entstand die Firma TONAK, volkseigener Betrieb, deren Sitz sich in Neu Titschein befand. Ihre Märkte umfassten auch in den totalitären fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts mehr als 53 Länder der Welt, die besonders an den Namen der Handelsmarke Hückel gewöhnt waren. Die Anwesenheit des Sitzes der hauptsächlichen Hutfabrik in Neu Titschein bewirkte die Entstehung eines Hutmuseums, das später zu einem Bestandteil des heutigen Museums von Neu Titschein und Umgebung (Muzeum Novojičínská) wurde. Die Zusammenarbeit dieser beiden Institutionen hat zur Folge, dass die Museums­sammlung und die ständige Ausstellung von Hüten und Kopfbedeckungen mit dem Namen „Nechte na hlavě“ (Aufbehalten) weltweit mit die größten ihrer Art sind.

Die Samtene Revolution und das Ende des kommunistischen Regimes schafften Platz für neue Richtungen in der Hutherstellung in Neu Titschein. Die mehr als zweihundertjährige Tradition der Hutproduktion in Neu Titschein wurde von der Aktiengesellschaft TONAK a.s.1 übernommen. Die Produktionstätigkeit der Fabrik in Neu Titschein orientiert sich heutzutage auf die Fertigung von Hüten sowie Rohlingen aus Wolle und Fell. Die hohe Anzahl an Arbeitsoperationen, die technologische Variabilität und der Anteil an hochwertiger Handarbeit sind ein Zeichen für Perfektion. Die bekannte Marke TONAK, die traditionelle Marke Hückel sowie die Marken FEZKO und Fezco Quality für Strickwaren sind heute eine Garantie für ausgezeichnete Qualität und Marktbeständigkeit.

 

 

X